[ December 1, 2003 ]
Synthetics: Angels and Devils
Synthetics Angels and Devils December 2003
Spaetestens seit "Caravan of Love" sind die Housemartins weltweit ein Begfriff fuer wahnsinnig geniale Brit Pop Songs. Im Dezember 1986 wurde die 5. Single der Housemartins veroeffentlicht und begeisterte Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Das ganze geschah schon zwei Jahre nach der Gruendung von vier netten, jungen Englaendern, die ihre Vision von guter Pop Musik unter die Leute bringen wollten. Die Housemartins waren Paul Heaton (Vocals, Gitarre), Stan Cullimore (Gitarre), Norman Cook (Bass) und Hugh Whitaker (Drums).

Kurz nach ihrer Gruendung standen schon die ersten Songs und der Plattenvertrag bei "Go! Discs" wurde unterzeichnet. Das Debuetalbum "London O Hull 4" erblickte im Fruehjahr des Jahres 1986 das Licht der Welt und beinhaltete Hits wie "Think for a minute", "Over there", "Happy Hour", "Flag Day" und "Sitting on a fence". Schnell war klar, dassdie Housemartins zusammen mit The Smiths die englische Fahne ganz hoch in die Welt hinaus hielten. Beide Bands schaetzen sich und als das Ende der Smiths immer wahrscheinlicher wurde, schrieb Mastermind Paul Heaton sogar ein Abschiedssong fuer Morrissey und Co names "Drop Down Dead". Noch unbefleckt von der eigenen Aufloesung begannen die Arbeiten zum zweiten Album "The people who grinned themselves to death", das schliesslich auch das letzte Album der Band blieb, denn die Techno Welle schwappte rueber nach England und Norman Cook wollte viel mehr Elektronik in die Martins einbauen, doch das passt Paul Heaton so gar nicht, denn nach zwei schnellen Pop Alben, wollte er noch mehr melancholische Stimmungen erzeugen und sich noch mehr auf die Texte konzentrieren.
Weil diese beiden Ansichten nicht unter einen Hut zu bringen waren loesten sich auch die Housemartins nach nur zwei Alben auf und gruendeten zwei neue Bands. Die technoideren Elemente von Norman Cook fand man dann in Beats International "Dub be good to me" wieder, doch der grosse Erfolg blieb weiter aus. Nach einigen Jahren tauchte Norman Cook mit einem neuen Pseudonym wieder in der Musikwelt als Fatboy Slim auf und dieses duerfte den meissten nicht bekannt sein. Paul Heaton gruendete zusammen mit Dave Hemmingway "The Beautiful South". Wo beide diese Melancholie einplanzen wollten.
Mit ihrem ersten Album ist ihnen das auch ganz sicher gelungen ohne dabei die Ironie der Housemartins zu vergessen.
Mit Sean Welch (Bass), Dave Rotheray (Gitarre), Dave Stead (Schlagzeug) und Briana Corrigan (Gesang), die 1993 durch Jaqueline Abott ersetzt wurde, gelang dem Sextett um die beiden Gruendungsmitglieder Paul und Dave im Jahre 1988 der absolute Durchbruch und das gleich mit der ersten Single der neuen Band. "Song for whoever" entsprang dem Debuetalbum "Welcome to the Beautiful South" und bereicherte die Musikwelt mit supersuessen Melodien und gnadenlos genialen, ironischen wie harmonischen Texten. Songs wie "I'll Sail This Ship Alone", "Oh Blackpool" oder "You keep it all in" verdeutlichten wie wichtig es war, dass die Gruendungsmitglieder der Housemartins sich in zwei verschiedene Richtungen weiter entwickeln konnten.
Nachdem die Erfolgswellen des Debuetalbums langsam nachgelassen hatten erschien ein Jahr spaeter schon mit "Choke" das zweite Album. Am 31.03.1992 erblickte "0898" das Licht der Welt, dicht gefolgt von "Miaow!" im Jahre 1994. Noch im gleichen Jahr erschien, das fuenfte Album "Carry on up to the charts" und genau das tat die Platte auch. Wie mit dem Nachfolger "Blue is the colour" (1996) erklimmten The Beautiful South die Nummer 1 der Britischen Album Charts. Doch Erfolg hat eben seinen Preis und so kaempfte Saenger Paul Heaton immer mehr mit der Alkoholsucht, nachdem er sich zu Housemartins Zeiten eher dem gesunden Lebenswandel zugewandt hatte, konnte er sich dem schoenen Sueden und dessen verlockende Alkolische Wirkung wohl nicht entziehen. Im zweijaehrigen Suff entstand "Quench", das siebte. Album, das 1998 erschien.
Erst jetzt wird Paul Heaton klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ein Ortswechsel ist die Konsequenz und Paul verbringt die meisste Zeit auf Sardinien. Wieder zwei Jahre spaeter ist Paul entspannt und hat mit "Painting in red" ein neues Album im Gepaeck, dass im Oktober 2000 erscheint. Noch im gleichen Jahr erscheint mit "Munch - Our Hits" die erste DVD von "The Beautiful South", die 25 Promo Videos und zwei TV Auftritte beinhaltet, u.a. findet man dort den Auftritt bei den Brit Awards wieder, wo The Beautiful South den Preis fuer das "Beste Musik Video" gewannen. Im Jahre 2001 erscheint die Hit Compilation "Solid Bronze - Great Hits", dass auch die Cover Version zu "Dream a little Dream" beinhaltet, der sonst nur auf dem Soundtrack von "French Kiss" mit Meg Ryan zu finden war. Das Best of der Band verkaufte sich ueber 600.000 mal und wurde somit mit Doppelt Platin ausgezeichnet.
Genau zwei Jahre nachdem der letzte Output in Form dieser Hit Compilation zu vernehmen war, ist es nun endlich Zeit fuer die wahrhafte Herrlichkeit des Songwritings eines geheilten Paul Heatons, der in Spanien seine geerneteten Lorbeeren geniesst. Anfang November 2003 erschien das sechste Album "Gaze" ("anstarren"), dessen geniale visuelle Umsetzung mit Hilfe eines Adlers genauso aesthetisch geloest wurde, wie die 12 Songs auf dem Album selbst. Mit "Gaze" umschreiben die Beautiful South kurz und praegnant die neuen Songs des Albums, denn "Gaze" erklaert Paul Heaton so: "Es ist ein kurzes Wort mit viel Inhalt. Es hat Tiefgang, man kann es unterschiedlich definieren. Und es gibt einen Song auf dem Album ueber schwule Maenner, Gays...". Bei ihrem sechsten Album wollten die Englaender eigentlich alles anders machen und schnappten sich zu allererst einen neuen Produzenten. Doch als Haus und Hofproduzent Jon Kelly die neuen Songs hoerte, rief er sofort Paul Heaton an und meinte, dass er die Songs sicher viel besser produzieren koenne. Weil Paul auch nicht sonderlich gluecklich mit dem neuen Sound der "Souths" war, arbeitet die Band nun wieder mit Jon zusammen. Der neue Produzent arbeitete mit mehr Elektronik, die die Musik von den The Beautiful South frischer machen sollte, doch durch diese angeblich Frische verlor "Gaze" an Seele und diese wusste Jon zusammen mit der Band zu leben. Und auf dem aktuellen Album ist wirklich sehr viel Leben zu spueren. Mit der ersten Single Auskopplung "Just a few things that i Aint" macht Paul deutlich, dass er eben nicht so wie Bono oder Sting ist. "Eigentlich ist er etwas ironisch gemeint und sollte nicht zu ernst genommen werden. Ich versuche, das Thema eher auf scherzhafte Weise zu behandeln, so wie es eben meine Art ist.", erklaert Paul grinsend. Nachdem vereinzelte Beautiful South Mitglieder nun auch Erfahrungen im Solo Bereich gesammelt hatten, war es wieder sehr schoen fuer die Band, als ein ganzes zusammen zu arbeiten. Fuer frischen Wind sorgt "Lady Wheeler", die mit buergerlichem Namen "Alison Wheeler" heisst und die weiblichen Vocals des Albums uebernahm. Die Band nennt sie deshalb Lady, weil sie in der gehobeneren Englischen Gesellschaft zugegen ist und das Leben der "South" mit ihrer eleganten, weiblichen Art ungemein bereichert.
Bereicherung erfaehrt man auch, wenn man sich dem aktuellen Beautiful South Album hingibt, denn hier wird man mit traumhaften Stimmungen und gewohnt ironischen, wie nachdenklichen Texten nur so ueberhaeuft, dass man sich nur sehr schwer losreisen kann von diesem Album. Mit Songs wie "Pretty", "Just a few things..", "Life vs. The Lifeless", "Get Here", und dem schoensten Beautiful South Song nach "Song for whoever" - "Angels and Devils" wird man sehr schnell neue Freunde finden, die den Anspruch im Leben erfuellen, der laengst vergessen scheint. Die Special Edition des Albums enthaelt den mittlerweile schon zum Standart gewordenen Pappschuber, der durch eine sehr einfache, aber geniale Idee hier aber sehr elegant eingesetzt wird.
Bei dem ganzen Schrott in der Veroeffentlichungsflut in der Elektro- Ecke ist das Album von "The Beautiful South" wahrhaftig goldig und man wird dieses Album sehr lange geniessen koennen, denn "Gaze" ist viel mehr als nur "Anstarbar".
Text: Micha L. Fotos: Housemartins, Beautiful South
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